Jedes Bett ein Einzelstück

Wie eine 27-jährige Gründerin das Schlafen revolutionieren will

Jeder Mensch schläft etwa ein Drittel seines Lebens. Bei so vielen Jahren sollte dem Traumbett nichts im Weg stehen – findet eine junge Gründerin. Platzmangel begegnet sie mit maximaler Individualisierbarkeit und traut sich, auch unangenehme Fragen zu stellen.

„Schon mal über Schimmel unter dem Bett nachgedacht?“, fragt Laura Weber. Die 27-Jährige verdeutlicht, wie viel Flüssigkeit ein Bett auffangen muss: „Einen halben Liter Schweiß, jede Nacht.“ Und der muss irgendwo hin, sammelt sich in der Matratze. Um Schimmelbildung zu verhindern, hat Weber eine Bettenmarke gegründet: Somira.

Klimaboxen als Lösung 

Ein Bett von der Stange steht laut Weber meist verschlossen am Boden. Die Luft könne dann nicht entweichen, die Matratze nicht atmen. Ihre Lösung: Fünf Zentimeter nach innen versetzte Füße, die den Bodentief-Trend und optimale Belüftung vereinen. Auch die Klimabox mit ihren vielen Löchern und Schlitzen im Bettkasten lassen die Luft zirkulieren. Ein atmungsaktives Klimaband belüfte zudem aktiv das Innere der Matratze. Die Luftzirkulation vermeide dunkle, punktförmige Stockflecken an der Matratze oder weiße Schimmelränder am Holz.

Woman in black suit jacket touching a beige sofa in a furniture store, looking down.
Pencil sketches of various bed designs scattered on a desk, with fabric swatches nearby.

„In gutes Raumklima und Schlafqualität zu investieren, ist wichtiger, als fünfmal die Woche zum Sport zu rennen“, sagt Weber. Viele Menschen würden Zeit und Geld in ihre körperliche Fitness investieren. Obwohl Schlaf die Gesundheit neben Ernährung und Training beeinflusst, werde er jedoch meist vernachlässigt. Für Laura Weber passt dieser Widerspruch nicht zusammen. Schlafmangel belaste die körperliche und psychische Gesundheit.

Erleichterung für den Alltag

Die Gründerin sieht in ihren Betten mehr als Möbelstücke. Neben dem Raumklima will sie die Lebensqualität ihrer Kundinnen und Kunden verbessern. Die Betten sollen den Alltag ihrer Besitzer erleichtern. Erste Rückmeldungen gab es bereits . „Super praktisch” findet eine Freundin, dass sie den Lattenrost mitsamt Matratze dank Gasdruckfeder anheben kann – sogar mit Kind auf dem Arm. 

Red, foot-shaped device pressing on a white mattress for durability testing.
A textured roller, possibly wood, presses down on a white quilted fabric or mattress, with a metal bracket visible.
A red circular plate from a testing machine pressing into a white mattress.

Aber wieso anheben? Die Klimabox ist Lüftung und Platzwunder zugleich. Laura Weber erklärt: „Den Lattenrost kann man von vorne und von der Seite öffnen.” In den Boxen gäbe es genügend Platz für Bettzeug oder Wintergarderobe. Diesen Stauraum zu schaffen, war Weber bei der Planung besonders wichtig. Nicht jeder habe eine große Wohnung. „Mein halber Hausstand ist da drinnen”, sagt die 27-Jährige und lacht. Für die Luftzirkulation müssten jedoch einige Löcher frei bleiben.

Kein Bett von der Stange

Raumgröße, Lichtschalter oder Dachschrägen – vieles kann ein Problem beim Bettenkauf sein. Deshalb setzt Weber auf maximale Flexibilität: „Mir war wichtig, dass man sich über den Konfigurator wirklich ein ganz individuelles Bett bauen kann.“ Ein Bett von der Stange passe schließlich nicht in jedes Schlafzimmer. Deshalb lassen sich die Höhe des Kopfteils und die Länge des Bettes individuell anpassen. Verschiedene Kopfteil-Formen, Fußvarianten und zertifizierte Oeko-Tex-Stoffe runden das Konzept ab.

A smiling woman in a business suit leans on a sofa in a modern furniture store with Somira branding.
Burgundy and light blue striped velvet pillows and a bolster on a white bed.

36 Materialien stehen zur Wahl, von Bouclé bis grobem Webstoff. Farblich bewusst in zeitlosen Beige-, Grau- und Erdtönen gehalten. „Ein Bett soll wirklich mindestens zehn Jahre halten“, sagt Weber und positioniert sich gegen den Fast-Interior-Trend. Nachhaltig sollen ihre Betten sein. Laut der Gründerin besteht ein Stoff sogar zu 100 Prozent aus recyceltem Polyester. Die Betten werden in Deutschland entwickelt und geprüft und in Europa produziert.

Verbot zum Brainstormen?

Die charakteristischen Kopfteile hat Weber auf Papier gezeichnet und anschließend in 3D-Modelle übersetzen lassen. Weil sie unentwegt an den Formen oder der Website feilt, müsse ihr Entwickler sie manchmal bremsen: „Bitte brainstorm nix mehr!“ Die junge Frau lacht. Vermutlich weil sie weiß, dass niemand sie wirklich bremsen kann – und will.

A smiling woman in a blazer browsing fabric samples in a showroom.

Denn während der Entwicklung, Planung und Umsetzung waren Freunde und Familie immer an Webers Seite. „Das ist irgendwie sehr, sehr cool", sagt die 27-Jährige. „Wie alle reagiert haben, diese Unterstützung ist so krass." Auf Instagram feiern ihre Freunde jeden einzelnen Beitrag der Bettenmarke. Mitfiebern, anfeuern und applaudieren. Der Stolz platzt nur so aus den Kommentarspalten.

Zwischen Spannung und Angst

Nur für eine fühlt sich der Launch der Marke noch surreal an: Laura Weber. Die Anspannung hat noch nicht nachgelassen. „Es geht ja erst los“, sagt die Unternehmerin. Sie stehe zu 100 Prozent hinter ihrem Produkt. Trotzdem habe sie Angst, dass niemand den Mehrwert ihrer Betten erkennt. Es ist das mulmige Gefühl des Abwartens, wenn aus einem Traum langsam Realität wird.

Modern living room with a green armchair, red tables, a TV, and a black shelving unit.
A woman in a showroom points to a digital screen showing a bed configurator, with a bed nearby.

Kurz nach dem offiziellen Start des Online-Shops ist die erste Bestellung eingetrudelt. Und das ohne Werbung. Weber konnte es kaum glauben: „Nicht, dass das Spam ist, das ist ja irgendwie voll komisch.“ Vor lauter Freude hat die Gründerin ihre erste Kundin angerufen und sich bedankt. Große Überraschung am anderen Ende der Leitung. Schließlich rechnet bei einem Online-Kauf kaum jemand mit einem persönlichen Anruf.

Prototyp im Schlafzimmer

Für Laura Weber war dieser Anruf mehr als guter Kundenservice. In diesem Moment wurde ihr Traum greifbar. Es war der Augenblick, auf den sie so lange hingearbeitet hat: von der ersten Idee über die Skizzen bis zum Prototypen. Das Bett, in dem sie seit Monaten schläft. Das sie selbst entworfen hat. Das nun auch in fremde Schlafzimmer einzieht.

Somira ist eine Eigenmarke von Weko. In Rosenheim und Pfarrkirchen gibt es jeweils einen Showroom. Dort können Interessierte die Betten mit den Klimaboxen besichtigen. Auch die Stoffe, Kopfteile und Füße sind vor Ort ausgestellt. Besucher können ihre Favoriten anfassen, austesten und individuell kombinieren. Wer Hilfe bei der Gestaltung und Planung möchte, wird von den geschulten Beratern unterstützt. Und dann dauert es nur 20 Werktage, bis das neue Traum-Bett ankommt.

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