Hürden im Alltag meistern

Wie ein 83-Jähriger wieder mehr Lebensqualität erlangt hat

Ein Glas aus dem Schrank nehmen, sich die Haare kämmen – für die meisten Menschen sind das einfache Handgriffe. Für Hans-Peter Hetzner (83) waren sie eine Hürde. Bis Physiotherapie seinen Alltag verändert hat.

Hans-Peter Hetzner ist einer, der gern erzählt. Von seinem Geschick als Betriebsprüfer, seiner Liebe zum Singen und seinem Neuanfang als Witwer. Seine Geschichten sind gespickt mit Witz und Pragmatismus, aber auch Schmerz. Ein Kämpfer, der vor allem eines sein will: unabhängig.

Ein Kamm als Feind?

Doch vor nicht allzu langer Zeit drohte Hetzner seine Selbstständigkeit zu entgleiten. Aus einfachen Handgriffen wurden Hürden des Alltags. Wegen muskulärer Probleme hingen Garderobenhaken plötzlich zu hoch und sogar sein Kamm wurde zum „Feind“. Der 83-Jährige hebt die Hand an sein Ohr. „Bis hier bin ich noch gekommen“, sagt er. Haare kämmen – Fehlanzeige.

An elderly man with glasses and a gray collared shirt smiles at the camera, an acupuncture chart visible behind him.
Physiotherapist assists an elderly man with dumbbell exercises in a modern gym.

Heute sitzt er bei Physiologisch, einer Praxis für Physiotherapie in Kolbermoor, und strahlt. Nicht, weil ein medizinisches Wunder geschehen ist oder die Alterserscheinungen verflogen sind, sondern weil er seine Arme und Beine wieder ein Stück besser bewegen kann. Was Hetzner natürlich sofort demonstriert: Er hebt erst die linke, dann die rechte Hand über den Kopf.

Eine stabile Lebensqualität

Und die Haare? Mit einer Bürste bringt der Rentner sie nun in Form. Strubbelig zwar, aber immerhin. Er wolle seine Ziele nicht zu hoch stecken und freue sich über kleine Fortschritte . „Ich mache das, was noch geht, und schaue, dass das stabil bleibt”, sagt Hetzner. Vom Bergsteigen und Fußballspielen habe er sich verabschiedet. Heute macht er die Region mit seinem Dreirad und Rollator unsicher. Als Ersatz für eine helfende Hand und „nicht zum Schämen”.

Für Therapie und Training kommt der 83-Jährige zweimal die Woche zu Physiologisch. Das Programm richtet sich nach seinen Möglichkeiten. Es reicht vom Fahrradergometer über Kurzhantel-Übungen bis zur Behandlung an der Bank. Angeleitet wird er dabei von den Therapeutinnen der Praxis. Ein zusätzlicher Baustein ist die Matrix-Rhythmus-Therapie, eine gerätegestützte Vibrationsmassage.

Neue Impulse fürs Gewebe

Hetzner beschreibt die Methode mit eigenen Worten: „Da werden Dinge bearbeitet, die sich sonst nicht bewegen. Und die fühlen sich dann richtig wach an.” Mit Dingen meint Hetzner Gewebe. Janine Führ, Sportwissenschaftlerin und Geschäftsführerin von Physiologisch, sieht in der Matrix-Rhytmus-Therapie eine „gute Ergänzung zur klassischen Physiotherapie”.

A physiotherapist and an older male patient smile while standing in a modern gym with exercise equipment.

Die Therapien sind nicht das Einzige, das Hans-Peter Hetzner an der Praxis schätzt. Für ihn zählt auch die Atmosphäre. „Die Behandlung ist das eine, aber das Umfeld ist das andere”, betont er. In der Praxis werde viel geredet und gelacht. Da fühle er sich gut aufgehoben. Manchmal mache er sogar ein paar Übungen mehr, weil vor lauter Erzählen das Mitzählen vergessen wurde.

Herzlichkeit statt Schweigen

„Wenn der persönliche Kontakt von Herzen kommt, ist es viel schöner”, sagt Hetzner. Sogar Geschichten aus dem Urlaub, vom Sport oder den Kindern erzählen ihm die Therapeutinnen und Therapeuten. Dieses Miteinander bedeutet dem 83-Jährigen viel: „Das Schlimmste am Älterwerden ist, wenn Du schweigend durch die Landschaft läufst.”

An empty physical therapy room with an orange examination table, yellow pillows, and green and white walls.
Close-up of anatomical models: a shoulder joint on the left and a hand and wrist on the right.
Physiotherapy room with an orange treatment bed, a dark wood desk, and colorful window blinds.

Als Zeichen der Dankbarkeit bringt Hans-Peter Hetzner auch mal Apfelkuchen oder Schoko-Nikoläuse mit. „Damit die mir nicht vom Fleisch fallen“, sagt er und lacht. Janine Führ sitzt ihrem Patienten gegenüber und lächelt. Auch sie spüre diese besondere Dynamik täglich. 

Therapie mit Empathie

„Wohlfühlen gehört für uns zur Therapie”, sagt Führ. Auf diese Haltung setzt sie in ihrer Praxis. Für die Geschäftsführerin sei eine empathische Betreuung kein Beiwerk, sondern das Fundament ihrer Arbeit. Das Ziel der Praxis-Atmosphäre: eine Brücke zwischen professioneller Therapie und menschlicher Nähe schlagen. 

Und zum Schluss ein Lied

Hetzner hat dieses Leitbild überzeugt. Wie wohl er sich in der Praxis fühlt, ist nicht zu überhören. „Ich verlasse die Praxis immer singend”, verrät er und schmunzelt. Der Mann mit der Liebe zum Gesang stimmt an: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt.“ Ein Schlager-Klassiker aus den 40er-Jahren. Altersgemäß, wie Hetzner findet.

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