Logistik ganz nah: Hier zählt der Mensch, nicht der Kilometer

Von der kleinen Käserei zur Millionen-Halle – und mittendrin zwei Menschen, die für ihre Leute alles tun. „Familienbetrieb“ ist bei der Spedition Schreyer keine Floskel, sondern Realität. Eine Geschichte über Heimat-Liebe, harte Arbeit und ein Ehepaar mit Haltung.

Logistik klingt nach Lkw, Frachtpapieren und weiten Wegen. Bei Schreyer bedeutet es: Familie. Und das nicht nur, weil Clemens und Alexandra Schreyer das Unternehmen als Paar führen. Von Anfang an waren Betrieb und Familie eng verwoben, das verdeutlichen Anekdoten über den alten Standort.

Familiär bis ins heimische Bad

Ein Bauernhaus in Lengdorf, Rott am Inn: auf der einen Seite die Großmutter, in der Mitte das Büro, auf der anderen Seite die eigene Wohnung. „Die Mitarbeiter sind bei uns aufs Klo gegangen", erzählt Alexandra Schreyer und lacht. Seit Kurzem sind sie in den Neubau gezogen, im neuen Gewerbegebiet in Rott am Inn.

Young boy smiling in front of a red MAN Diesel truck belonging to Clemens Schreyer Transporte.

Schon früh begeistert vom Fuhrpark: Geschäftsführer Clemens Schreyer als kleiner Bub vor einem Lastwagen.

A red MAN Diesel truck and trailer loaded with large industrial ventilation units, parked on snowy ground.

Vier Generationen gibt es die Spedition Schreyer bereits.

Günstigere Grundstücke gäbe es anderswo. Für das Paar kam ein Wegzug dennoch nie infrage. „Weil wir Familie da haben, rundherum", sagt Alexandra Schreyer. Sie hat drei Schwestern in der Region, ihr Mann sei auch ein Familienmensch. „Wir wohnen in der schönsten Ecke der Welt. Warum soll ich woanders hingehen?"

Verantwortung in der Region

Dahinter steckt mehr als Heimatgefühl. Wer bleibt, zahlt Steuern in der Gemeinde und hält Arbeitsplätze in der Region. Fast 60 Menschen beschäftigt der Betrieb heute, die Hälfte davon aus der Umgebung. Ein Wegzug hätte all das gekostet. Das wollte das Paar nicht. Also ging es nur zwei Kilometer vom alten Standort weg. Die Werkstatt, Waschstraße und Tankstelle sind weiterhin in Lengdorf.

Blonde woman in a pink top writing on a piece of paper at a modern kitchen island.
Modern office kitchen with wooden beams, skylight, island with bar stools, and light cabinetry.
A smiling couple standing in a large warehouse filled with stacked white bulk bags and wooden pallets.

Auch für die Versorgung der Region ist Spedition Schreyer relevant. Die Mitarbeiter transportieren Getränke von Adelholzener, Bauholz für Schreinereien, Untergestelle für Photovoltaik-Anlagen und Waren für den Maschinenbau. Für Flötzinger pendelt ein Lastwagen laut Clemens Schreyer sogar achtmal am Tag über die B15.

Ein neuer Arbeitsweg

Das erste Mal sind Arbeit und Zuhause für die Schreyers getrennt. Wie sich das anfühlt? „Uns taugts super. Ist natürlich eine Umstellung, weil wir jetzt sogar einen Arbeitsweg haben”, sagt der Unternehmer. Auch die Mitarbeiter fühlen sich dem Geschäftsführer zufolge wohl in den neuen Büros.

Multiple views of white semi-trucks with curtain-side and flatbed trailers, loaded and empty.
Two men work at their desks in a modern office, one in an orange shirt and one in a green shirt.

Freie Räume in modernem Design können Interessierte anmieten. Auch der Seminarraum, der für die Schulungen der Fahrer gestaltet wurde, kann gebucht werden. Die Halle nebenan misst 2000 Quadratmeter. Ein Ausmaß, das kurzzeitig für einen Schreck gesorgt hat. Alexandra Schreyer hat beim ersten Besuch im Rohbau gedacht: „Boah, ist das groß! Irgendwie haben wir uns da vertan.”

Investition in die Zukunft

Heute ist der Schreck Geschichte und die beiden sind glücklich mit der Entscheidung. „Wir haben in die Zukunft gebaut”, sagt Clemens Schreyer. Tochter Sophia ist gelernte Industriekauffrau. Sohn Clemens ist Lkw-Mechatroniker und Speditionskaufmann und im elterlichen Betrieb tätig. Ob und wie die Kinder weitermachen wollen, überlassen die Eltern ihnen selbst.

A smiling man in a grey polo shirt talks on a landline phone at a white desk with a smartphone and keyboard.
A smiling man and woman stand in a warehouse with large white bags, looking at each other.
A large group of Spedition Schreyer employees poses in gray shirts in front of a company truck.

Die Investition in die Zukunft gilt unabhängig von der Nachfolge. „Uns wird's immer geben”, betont Alexandra Schreyer. Gerade weil die Familie zusammenhält. Caroline Hildgartner, die Schwester von Clemens Schreyer, ist sei über 30 Jahren im Betrieb und eine große Stütze. „Wer auch immer die Firma übernimmt, es wird weitergemacht”, sagt Alexandra Schreyer. Der Buchhalterin ist Stabilität wichtig in so schnelllebigen Zeiten wie diesen.

Die Fahrer kann niemand ersetzen

Künstliche Intelligenz und Autonomes Fahren werden auch bei den Schreyers diskutiert. „Das ist eine nette Unterstützung, aber kein Ersatz”, so der Geschäftsführer über KI. Er suche immer Fahrer, die könne niemand ersetzen. Doch gute Fahrer zu finden, sei nicht einfach.

Ein echter Familienbetrieb

Der 54-Jährige hätte gerne die Chance, neue Fahrer von der „Schreyerei” zu überzeugen. Denn hier sitzt nicht bloß eine Personalnummer hinter dem Lenkrad. Hier wird der Mensch gesehen. So fährt das Paar nach einem Arbeitstag auch mal drei Stunden nach Bayreuth, weil ein Fahrer seinen Geburtstag feiert. Eben ein echter Familienbetrieb.

Four people stand in front of a large concrete building frame under construction on a sunny day.

Sie lieben ihre Heimat Rott am Inn (von links): Clemens und Alexandra Schreyer, Bürgermeister Daniel Wendrock und Franz Amtesbichler, Gewerbeverband Rott am Inn, in der 2000 Quadratmeter großen Halle der Spedition Schreyer: (Foto: Bernd Klemmer)

Button

Button