Was eine gute Küche wirklich ausmacht

Statussymbol oder Lebensretter?

Sascha Kayser drückt gegen die anthrazitfarbene Küchenfront. Die Tür gleitet auf und er deutet in das Innere. Was aussieht wie ein Schrank, birgt ein Geheimnis. Der Durchgang führt in ein paralleles Küchen-Universum. Eine Küche in der Küche, verborgen vor den Blicken der Außenwelt. Wie das Versteck eines Geheimagenten. Der einzige Unterschied sind die Waffen: Dampfschrank statt Dynamit und Waschmaschine statt Wurfmesser.

Man in a suit with a nametag showcasing a modern kitchen with a BORA induction cooktop.

Sascha Kayser

„Wir planen immer häufiger zwei Küchen für ein Haus“, erzählt Sascha Kayser. Seit 14 Jahren arbeitet er für Segmüller und leitet die Küchenabteilung. Die Küche sei längst kein Gebrauchsgegenstand mehr, sondern ein Statussymbol. „Nach oben gibt es keine Grenzen”, sagt Kayser. Wer das Budget hat, investiert in eine Tech-Revolution. Weinschränke messen die Temperatur jeder einzelnen Flasche. Backöfen beraten sich mit Kühlschränken und kreieren eigene Gerichte.

Tränen für die 3.000-Euro-Küche

Nicht jeder kann sich eine Luxus-Küche leisten, geschweige denn zwei. Wie viel jemand für eine Küche ausgibt, spielt für Kayser keine Rolle. Er erinnert sich an eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern. Ihre Küche habe nur noch aus einzelnen Fragmenten bestanden. Vier Jahre habe sie 3.000 Euro für eine neue Küche gespart. Als sie aufgebaut war, habe die Mutter vor Glück geweint. „Das ist schon eine sehr, sehr schöne Sache”, sagt Sascha Kayser. Die große Freude über kleine Küchen sei noch zufriedenstellender als jemandem mit viel Geld eine teure Küche zu verkaufen.

Diese Emotion macht das Küchengeschäft besonders, findet auch Hausleiter Jürgen Froschauer. „Wir bekommen ganz oft Bilder von Kunden, die sich noch mal explizit bedanken für die tolle Planung”, sagt er. Woran das liegt? Froschauer glaubt den Grund zu kennen: „Wir sind ein Traditionsunternehmen mit sehr viel Seele. Die Kunden kaufen nicht anonym bei einer Marke, sie kaufen beim Menschen.“ Mitarbeiter und Kunde würden eine Beziehung aufbauen, das unterscheide das Möbelhaus von der Konkurrenz. Deshalb gibt es laut Froschauer auch so viele Segmüller-Fans oder wie er sie nennt: Wiederholungstäter.

Und diese Wiederholungstäter fluten das Haus in Parsdorf regelrecht. Sascha Kayser zufolge wurden am Standort Parsdorf im vergangenen Jahr rund 8.000 Küchen verkauft. Der Abteilungsleiter weiß, was im Trend liegt: Erdfarben und Pastelltöne. „Kühle weiße Hochglanz-Küchen sind gerade völlig raus”, sagt Kayser. „Es wird sehr gemütlich. Viele möchten das echte Material spüren.”

Modern kitchen featuring a black sink, sleek faucet, light marble countertop, and a striking natural stone backsplash.
Modern kitchen with light wood cabinets, white upper units, stainless steel oven, sink, and cooktop.

Dieser Wunsch nach Echtheit wiegt schwer – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn sich Kunden für eine tonnenschwere, massive Natursteinplatte entscheiden, reicht Muskelkraft bei der Montage laut Jürgen Froschauer oft nicht mehr aus. Dann müssten ganze Straßen gesperrt und Arbeitsplatten per Kran ins Obergeschoss gehievt werden. Alles für die perfekte Küche.

Die Küche ist heute längst kein funktionaler Raum mehr, in dem bloß Töpfe klappern. Sie ist ein Lebensmittelpunkt. Der Ort, an dem morgens der erste Kaffee getrunken wird, Kinder an ihren Hausaufgaben verzweifeln und die besten Geburtstagsfeiern enden. Unabhängig davon, wie klein oder groß der Raum auch sein mag. Die Küche ist ein Ort der Verbindung. Ein Ort der Wärme.

A modern kitchen with wooden and grey cabinets, a dark island, glass displays, and integrated appliances.

Jürgen Froschauer

Doch die Küche kann von einem auf den anderen Tag zum Hindernis werden. „Manche Kunden hatten einen schweren Unfall oder eine schwere Krankheit und müssen von jetzt auf gleich ihr Haus umbauen”, berichtet Sascha Kayser. Das seien sehr schwierige Situationen für die Menschen. Die Berater würden dann zum Kunden fahren oder ein Videotelefonat anbieten.

Close-up of unfinished modular cabinet frames, showing various compartments and joint details.

Barrierefreiheit soll bei Segmüller keine leere Worthülse sein. Deshalb arbeitet das Küchenteam Kayser zufolge seit gut zehn Jahren mit einer gemeinnützigen Organisation zusammen. Aufgrund des Austauschs könnten die Küchen exakt auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen abgestimmt werden. Etwa die Thekenhöhe für Menschen mit Rollstuhl oder Elektrogeräte für Menschen, die blind sind. „Manchmal ist nur wenig Geld vorhanden, manchmal nur Spenden”, sagt Kayser. „Dann müssen wir das mit preiswerteren Herstellern technisch umsetzen.”

Diese Erfahrungen verdeutlichen: Die Küche ist mehr als ein beliebiger Raum. Mag sie im ersten Moment aussehen wie das durchgestylte Versteck eines Geheimagenten – ihre wahre Mission erfüllt sie im Stillen. Sie ist Alltagshelfer, Rückzugsort und Treffpunkt zugleich. Am Ende ist die perfekte Küche nicht die teuerste, sondern die, die das Leben ihrer Besitzer ein Stückchen besser macht.

Der Weg zur Küche mit Herz beginnt bei Segmüller:

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